Gesundes Wohnen

Naturgemäße Heil- und Lebensweise – dazu gehört auch die gesunde, natürliche Wohn-Umwelt. Nicht, dass wir – vom Urlaub abgesehen – in Zelten oder gar wieder in Höhlen wohnen müssten. Im Vergleich mit unseren Vorfahren zeigt sich jedoch, dass wir heute durchschnittlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, als die Generationen vor uns.

Wärme
Feuchtigkeit
Gefühl – Tastsinn
Hören - Geräusche
Licht - Beleuchtung – Farbe

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Naturgemäße Heil- und Lebensweise – dazu gehört auch die gesunde, natürliche Wohn-Umwelt. Nicht, dass wir – vom Urlaub abgesehen – in Zelten oder gar wieder in Höhlen wohnen müssten. Im Vergleich mit unseren Vorfahren zeigt sich jedoch, dass wir heute  durchschnittlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, als die Generationen vor uns.
Die gewohnten und (hoffentlich) geliebten vier oder mehr Wände lassen sich sehr oft mit verblüffend einfachen Mitteln natürlicher und gesünder gestalten.
Die Wahrnehmung, ob unsere Wohnumwelt gesund ist oder nicht, geschieht über unsere Sinne. Zuerst denken wir da an die fünf Basis-Sinne Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Für das für uns Unsichtbare haben wir einen sechsten bzw. siebenten Sinn. In der Sinnesphysiologie werden dann noch vier weitere Sinne benannt: Gleichgewicht, Wärme- bzw. Kälte-Empfinden, Bewegung und Vital- bzw. Lebenssinn.

Wärme

Zunächst wollen wir Wärme und Wärmesinn in Verbindung mit wohnlichen Gegebenheiten einer näheren Betrachtung unterziehen.
Hätten wir über Stunden oder gar Tage hinweg das gleiche Innenraumklima, könnte das zu körperlicher und geistiger Ermüdung führen, mit Mattigkeit und Kopfschmerzen als Folgen. Ursache dafür wäre die Vernachlässigung des Wärmesinnes, der unbedingt eine rhythmisch wechselnde Beanspruchung benötigt. Dem kann bereits durch unterschiedliche Temperierung der Räume auf Grund ihrer Nutzung begegnet werden.
In beheizten Treppenhäusern sind 16 °C vollkommen ausreichend, wohingegen im Bad
23 °C durchaus als angenehm, ja notwendig wahrgenommen werden. Dagegen wirkt ein drastischer Klima- und Temperaturwechsel, wie er z.B. beim Verlassen eines vollklimatisierten Büros mit 19 °C bis 21 °C an einem heißen Sommertag (30 °C Außentemperatur) geschieht, wie ein Schock auf unseren Organismus.

Aber auch Farben und Materialien erleben wir mittels des Empfindens als warm oder kühl. Dadurch kann es in Räumen zu Empfindungsüberlagerungen kommen.
In rotem Farbton gestrichene Räume werden bis zu 3 Grad wärmer empfunden als die tatsächlich gemessene Raumtemperatur, blaue Farben verlagern diese Schätzung auf
1 bis 2 Grad unter dem tatsächlichen Wert.
Holz empfinden wir als warm, blanke Metalle üben vorwiegend eine kühlere Wirkung aus.
Als Wärmequellen für die Beheizung der Wohnung sind grundsätzlich Heizungen mit einem hohen Anteil an Wärmestrahlung (Flächen- oder Plattenheizkörper an Wänden, Kachelofen, Kamin) in Verbindung mit natürlichen wärmedämmenden Wand- und Bodenmaterialien (z.B. Holz, Stoffe, Kork) sinnvoll.
Wärmeströmung (Konvektion) erzeugt Zugluft, die selbst bei hoher Temperatur als  unangenehm und störend empfunden werden kann. Das spüren wir bei Heizgeräten, bei denen die Wärme über künstliche Zirkulation transportiert wird (Heißluft-Gebläse).

Feuchtigkeit

Neben der Temperatur hat die Feuchtigkeit einen grundlegenden Einfluss auf das Raumklima.
Der Mensch besteht zu reichlich ¾ aus Flüssigkeiten, davon überwiegend aus Wasser. Wer 66 kg wiegt, bringt also ca. 50 kg Wasser auf die Waage. Täglich werden ca. 1 - 1,5 Liter Wasser als Wasserdampf über die äußere Haut bzw. über die Lunge abgegeben. Dadurch wird der Wärmehaushalt des Körpers sehr wirksam reguliert. Um nicht auszutrocknen, müssen wir die tägliche Wasserabgabe durch entsprechende Flüssigkeitsaufnahme wieder ersetzen. Dieser Flüssigkeitsaustausch hängt im Wesentlichen von der Luftfeuchte ab und diese wiederum von der Temperatur. Je wärmer die Luft ist, umso mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Wenn die Sättigung der Luft mit Wasserdampf erreicht ist, aber mehr Feuchte anfällt, kondensiert sie und wird z.B. als Nebel beim heißen Duschen, durch „Anlaufen“ der Fenster usw. sichtbar.
Für unser Wohlbefinden ist eine relative Luftfeuchte von 40 – 60 % anzustreben.
Eine niedrigere Luftfeuchtigkeit würde die Schleimhäute besonders der Atemwege zu sehr belasten und eine zu hohe würde den Schimmelpilzbefall im Wohnraum fördern.
Der in Wohnräumen anfallende Wasserdampf z.B. durch Menschen, Pflanzen oder beim Kochen in der Küche kann ebenso wie die Körperausdünstungen hauptsächlich durch offene Türen und Fenster nach außen abgeführt werden. Deshalb ist die gute Belüftung der Räume ein entscheidender Faktor.
Der Bedarf an Frischluft im Raum ist zu einem großen Teil von der Tätigkeit abhängig.
Im Mittel liegt er bei 32 Kubikmeter pro Stunde und Person.
Beispielsweise müssen im Schlafzimmer 20 Kubikmeter, bei leichter Hausarbeit etwa 30 Kubikmeter oder im Bad 60 Kubikmeter pro Stunde und Person ausgetauscht werden.
Die notwendige Luftwechselzahl ergibt sich aus der Größe des jeweiligen Raumes,
der Anzahl der Personen im Raum und der Art der Raumnutzung.

In der nachfolgenden Übersicht wird die Beziehung des Fensteröffnungsgrades zur Anzahl der Luftwechsel angegeben:

Fensteröffnung
Anzahl der Luftwechsel pro Stunde
angekippt
2,5
halb geöffnet
7,5
ganz geöffnet
12
Durchzug zwischen Fenster und Tür
40

Ein Lüften mit ganz geöffnetem Fenster – das so genannte „Stoßlüften“ - ist am sinnvollsten. 5 Minuten reichen im Winter meist schon aus. Kalte Außenluft ist trockener als warme Zimmerluft.
Auch andere Faktoren tragen neben der Lüftung zur Reinigung der Luft bei, so
z.B. Zimmerpflanzen mit großer Blattoberfläche und natürliche Wand- und Deckenflächenmaterialien, wie Holz, Lehm, Gips und Gipsbaustoffe oder Naturfasern.
Mit ihrer Hilfe werden Gase, Dampf und Staub teilweise gebunden und die Raumluft verbessert.

Gefühl – Tastsinn

Zur Wahrnehmung unserer Umwelt tasten wir sie stets auf verschiedene Art und Weise ab, bewusst oder unbewusst. Mit den Augen schätzen wir Entfernung und Größe,
unsere Ohren tasten durch den Nachhall den Raum ab. Der Gleichgewichtssinn tastet nach der Aufrechten. „Solange wir nichts tasten können, bleibt das Gefühl z.B. von der eigenen Hand unbestimmt. Wir wissen wohl, dass wir eine Hand haben, aber wir spüren sie nicht“ (Scheuerle, Stuttgart 1984).
In der Natur wird uns eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Ausübung des Tastsinnes gegeben. Jede Art der belebten und unbelebten Natur, jede Pflanze und jeder Stein ertastet sich als etwas Besonderes, ja Einmaliges.
Interessante Abwechslungen in den Oberflächenstrukturen und plastischen Ausgestaltungen der Wohnung sind auch mit Bausteine, um uns in der uns umgebenden gebauten Umwelt wohlzufühlen. Dem Ertasten werden dadurch umfassende Anregungen und Impulse gegeben.
Plastische Wandgestaltung wird bereits durch feine Unregelmäßigkeiten in der Putzoberfläche, durch Stuckelemente oder durch gebürstete Holzflächen mit spürbarer Maserung erzielt. Besonders bei Oberflächen, die durch unseren Körper berührt werden, ist die plastische Oberflächengestaltung wichtig, so bei Fußböden im Barfußbereich, bei Treppenhandläufen und bei Sitzmöglichkeiten. Dem Fuß als ein besonders empfindliches Tastorgan - ich verweise hier auf die Fußreflexzonen - kann durch ein breites Spektrum an Naturbaustoffen Erfahrungsreichtum geboten werden, z.B. geflochtene bzw. geknotete Kokos- oder Hanfböden, Natursteinplatten (von bruchrauh bis poliert), Ziegelplatten, Holzböden, Korkplatten, Wollteppiche. Dies ist nur eine Auswahl.
In zunehmendem Maße verbreitet und beliebt sind so genannte Fuß-Erlebnisspfade, auf denen die nackten Füße verschiedene Materialien ertasten können: Sand, Gras, Moos, unterschiedliche Gesteinsoberflächen, Rindenmulch, feuchte oder gar nasse Flächen.

Hören - Geräusche

Wir erfahren unsere Umwelt des Weiteren in erheblichem Maße auch über den Hörsinn.
Unser Empfinden wird stark von Geräuschen, von Schall beeinflusst.
Um zu entspannen, um schlafen zu können brauchen wir Ruhe. Dies setzt einen niedrigen Fremdgeräuschpegel voraus. Manch einen nervt das Ticken des Weckers,
dieses gleichmäßige Zerhacken der Zeit. Blätterrauschen, Wiegen der Bäume im Wind oder sanfter Regen sind zwar messtechnisch nicht leiser als der beschriebene Wecker, diese Geräusche wirken jedoch auf uns beruhigend und sie beschleunigen das Einschlafen.
Bricht sich der Schall an harten und glatten Oberflächen, wird er reflektiert. Entsteht gar ein starker Nachhall, so empfinden wir den Raum als ungemütlich. Eine leere, noch nicht eingerichtete Wohnung, in der vielleicht noch die Bodenbeläge fehlen, ist dafür ein gutes Beispiel. Aber auch Arbeitsräume, in denen wir geistig konzentriert arbeiten wollen,
sind akustisch wohlüberlegt auszugestalten. Das Fernhalten von Straßenlärm und nachbarlicher Unterhaltung lässt sich durch entsprechende schalldämmende Fenster, Türen oder Wände realisieren. Bei der Auswahl von Klima- und Heizgeräten sind diesbezüglich möglichst im Vorfeld des Erwerbs die Geräuschpegelwerte an Hand der Produktinformationen zu prüfen. Nebenbei bemerkt: selbst in den Unterlagen des (so manchen) Deutschen liebsten Kindes, dem Auto, ist im Fahrzeugschein unter Ziffer 30 der Standgeräuschpegel eingetragen.
Um Schall zu hören, muss er gebrochen und moduliert, abgewandelt werden.
Die Schallwellen brechen sich beim Hören im Innenohr an der Membran in der Hörschnecke.
Ein jedes Material hat seinen ihm eigenen unverwechselbaren Klang. Metalle und harte Kunststoffe klingen hell, Hölzer und weiche Kunststoffe dunkler bzw. stumpfer, Teppichfasern oder Kork nehmen dem Ton seinen Klang.
Unser akustisches Wahrnehmungsvermögen lässt uns nicht allein Geräusche hören, sondern wir können dadurch auch Laute und Klänge unterscheiden. Das hilft uns mit bei der Erfassung und Unterscheidung von Form, Gestalt und Struktur eines Gegenstandes als Ganzes.
Um Stille zu erleben, müssen wir modernen Menschen uns schon sehr anstrengen, um die rechten Orte hierfür zu finden. Uns umgibt im Alltag normalerweise eine Vielzahl von Maschinen und Geräten: der Kühlschrank, die Waschmaschine, der Lüfter des Computers, der - mehr oder weniger - fließende Verkehr. In der Summe ein ständiger Geräuschpegel, der natürlich Schwankungen unterworfen ist.
Aber nicht das Geräusch des Brenners der Zentralheizung vermittelt uns das Gefühl von Wärme und Gemütlichkeit, sondern das Knistern und Knacken des Holzfeuers.
Nun sollen wir nicht aus reiner Empfindlichkeit gegenüber technischen Geräuschen die uns Arbeitserleichterung bringenden Geräte abschaffen. Aber wir können, wie auf anderen Gebieten auch, auf dem Gebiet der Lärmhygiene eine Entrümpelung vornehmen, indem wir zum Einen den Einsatz unseres Maschinenparks geräuschtechnisch sinnvoll planen, zum Anderen lohnt sich ein Nachdenken über die Anwendung oft kleiner aber sehr wirkungsvoller schalldämpfender Elemente und Materialien. Ein Lüfter auf einer schalldämpfenden Unterlage fächelt uns auch noch die heißbegehrte kühle Luft zu, aber eben geräuschärmer; schalldämpfende Elemente an Türen schließen ein - versehentliches - Zuknallen von vornherein aus.

Licht - Beleuchtung – Farbe

Natürlich haben neben Schall und Geräuschen auch Licht und Beleuchtung im häuslichen Umfeld großen Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Entgegen manchen Vorstellungen ist das menschliche Auge nicht ein Fotoapparat. Es ist ein Übermittler von Lichtreizen, die vom Hirnstamm auf das vegetative Nervensystem und über hormonelle Prozesse auf den menschlichen Organismus wirken.
Für das menschliche Leben, ja für das Leben auf der Erde überhaupt ist das sichtbare und das unsichtbare Sonnenlicht eine unabdingbare Notwendigkeit. Sichtbares Licht lässt uns die materiellen Dinge der Welt sehen, die Umrisse und Konturen, aber auch die Farben.
Der Tag-Nacht-Wechsel des Lichts steuert unseren Lebensrythmus.
Die langwelligen Infrarot-Strahlen (= Wärmestrahlen) der Sonne sowie ihre kurzwelligen ultravioletten Strahlen beeinflussen physiologische Vorgänge in unserem Körper, so z.B. die Bildung von Vitamin D. Auch wirkt die UV-Strahlung keimtötend.
Für unser Wohlbefinden sind helle, besonnte Wohn- und Arbeitsräume erforderlich.
Auf die Raumfläche bezogen sollte der Anteil der Fensterfläche mindestens 10% betragen. Höhere Anforderungen gelten für Schulen, Büros und Werkstätten.
Das Licht der Sonne ändert seine Farbzusammensetzung im Verlauf des Tages. In der Tagesmitte ist mehr Blauanteil vorhanden, am frühen Morgen sowie am Abend mehr Rot-Orange-Anteil. Das steuert viele Stoffwechselvorgänge.
Ein hoher Blau-Grün-Anteil regt zu Aufmerksamkeit und Aktivität an, hohe Rot-Orange-Anteile begünstigen die Entspannung. Bei der Wahl der künstlichen Beleuchtung sollte das Berücksichtigung finden.
Die künstliche Beleuchtung in großen Bürokomplexen wird aus diesem Grund mittlerweile computergestützt der spektralen Veränderung des Tageslichtes angepasst.

Wir leben - und wohnen - somit mit allen Sinnen, die uns gegeben sind. Wir wissen aber auch, dass zuerst der innere Mensch geordnet sein muss, bevor wir uns um Äußerlichkeiten bemühen sollten.
Wenn es in uns trübe ist, kann keine noch so starke Beleuchtung Abhilfe schaffen. Arbeiten wir also an beidem, der Ordnung des inneren Menschen und des äußeren Umfeldes. Möge uns dies mit steigendem Erfolg gelingen.

Dipl. Ing. Jörg Straßburger
Holzschutzsachverständiger