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Die Gewürznelke – Syzygium aromaticum
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nelke

Eukalyptus und Co.

Trotz seines Namens zählt der Nelkenbaum nicht zu den Nelkengewächsen, wie die Gartennelke (Dianthus caryophyllatus), sondern zu den Myrtengewächsen (Myrtaceae). Diese wärmeliebende Heilpflanzenfamilie zeichnet sich durch hohen ätherischen Ölgehalt aus und begegnet uns in vielerlei Gestalt im Alltag. Vom Eukalyptusbonbon bis zum grünen Hochzeitskranz aus Myrte, vom Lebkuchen- und Glühweingewürz bis zum exotischen Guavensaft begleiten uns Myrtengewächse in unserem Leben. Sie gedeihen in trocken-warmen Gegenden wie z.B. in Australien (Eukalyptus, Teebaum) oder benötigen tropisches feucht-warmes Klima (Gewürznelke, Piment). Die eingefangene Sonnenenergie tritt uns in ihren intensiv duftenden ätherischen Ölen entgegen.
Früher besiedelten Vertreter dieser Familie weite Teile der Erde. Doch die Eiszeit verdrängte sie aus Europa und nur die Myrte konnte sich im Mittelmeerraum halten.
Die ätherischen Öle der Myrtengewächse bestehen vorrangig aus Monoterpenen und Phenylpropanen. Diese gehören mit zu den aktivsten Substanzen in der Pflanzenheilkunde. Sie können Haut- und Schleimhautbarrieren gut überwinden, regen in kleinen Dosen an, in großen Dosen wirken sie jedoch reizend und sogar schädigend. Dabei zeigen sie besonders antivirale und antibakterielle Wirkungen und stimulieren die Durchblutung. Sie unterscheiden sich jedoch in der Wirkrichtung. So werden die Wirkstoffe von Myrte und Eukalyptus bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt, das Nelkenöl wirkt mehr im Verdauungstrakt und im Nervensystem. Teebaumöl tötet bei konzentrierter Anwendung Pilze und Bakterien ab. Interessant ist, dass der Tee der gemahlenen Samen der auf dem Jambulbaum (Syzygium jambos) wachsenden Jambulanapflaume nachgewiesene blutzuckersenkende Wirkungen zeigt. Das entsprechende homoöpathische Präparat Syzygium jambolana scheint in tiefen Potenzen das Diabetesmittel der Homöopathie zu sein.

„Drauf schickt ich ihr ein Sträußelein, schön Rosmarin, brauns Nägelein …“

Wie schon im Volkslied „Das Lieben bringt groß Freud“ angeklungen, sind die „braunen Nägelein“ erstaunlicher Weise fest in unserem Bewusstsein als kostbar verankert. Doch leitet sich der Name „Nelke“ wirklich von „Nagel“ her, da die noch geschlossenen Knospen in der Form an Nägel erinnern. So galten sie auch als ein Symbol für die Nägel mit denen Christus ans Kreuz genagelt wurde. Weil die Form der Nelken ihren Schiffsholznägeln entsprach, nannten die Holländer die Blütenknospen „Kruidnagels“ (Gewürznägel). Im Englischen heißen sie „clove“, was sich vom lateinischen „clavus“ (Nagel) herleitet. Auch der Name der Gartennelke soll auf das Wort „Nagel“ zurückgehen.
Der botanische Gattungsname „Syzygium“ stammt vom griechischen „syzygos“. Dies bedeutet „gepaart, vereinigt“ und charakterisiert die Blütenblätter, welche zu einer Haube verwachsen sind.
Die alte lateinische Bezeichnung „Eugenia caryophyllata“ für die Gewürznelke ist inzwischen überholt. Der Gattungsname „Eugenia“ stammt von Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) ab, der ein Förderer und Eigentümer eines botanischen Gartens war. „Caryophyllata“ ist dem altgriechischen „karyophyllon“ abgeleitet, wobei wahrscheinlich die griechischen Händler das Wort ihren südasiatischen Lieferanten abgelauscht haben. So ähnelt es dem Sanskritwort für „scharfe Frucht“.

Scharfe Knospen von immergrünen Bäumen

„Die Nägeleinbäume wachsen etwas höher als hierzulande die Pflaumenbäume, ohngefähr wie ein ziemlicher Birnbaum. An Laub oder Blättern sind sie den Weiden ähnlich. Sie tragen das ganze Jahr zugleich Blüten, zeitige und unzeitige Nägelein. Doch ist die rechte Blütezeit im Junio, Julio und Augusto, als zu welcher Zeit die südlichen Winde wehen.“ So beschreibt Caspar Schmalkalden die Nelkenbäume auf seiner Reise zu den Molukken im 17. Jahrhundert. (Aus: „Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642 – 1652“, Weinheim, 1983, S. 124)

Die stark belaubten, immergrünen Nelkenbäume gedeihen im feuchtheißen, tropischen Klima in windgeschützter Lage. Die schlanken Bäume erreichen eine Höhe von 10 bis 15 m. In den Anbaugebieten werden sie jedoch auf ca. 6 m Höhe gehalten. Das Holz ist sehr hart und dauerhaft und von stumpfer, grauer Farbe. Der jugendliche Nelkenbaum hat ein pyramidenförmiges Aussehen, ein sehr empfindliches Wurzelwerk und liebt den Schatten. Mit zunehmendem Alter spreizen die Zweige auseinander und hängen letztlich sogar nach unten. Nelkenbäume müssen vorsichtig beerntet werden, da Astbruch Pilzbefall fördert. Nelkenbäume können sogar über 130 Jahre alt werden. Alle Teile der Pflanze enthalten das stark aromatisch und süßlich duftende ätherische Öl, jedoch in sehr unterschiedlicher Konzentration.

Die immergrünen, glänzenden Blätter erinnern in ihrer Form an lange, geäderte Lorbeerblätter. Die ersten Knospen erscheinen ab dem 4. - 6. Lebensjahr des Baumes. Gute Ernten sind vom 20. bis zum 60. Lebensjahr, z.T. auch darüber hinaus, möglich. Die kleinen, regelmäßigen, stark duftenden Blüten, die sich beim Aufblühen von weiß zu rot färben, stehen in Trugdolden an den Zweigenden. Die Blüten öffnen sich zu kleinen Pinseln aus weißen Staubfäden. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine dunkelrote, wohlschmeckende, an kleine Oliven erinnernde Beere. Diese besitzt einen nelkenähnlichen, aber weniger intensiven Geruch und Geschmack. Die nicht völlig ausgereiften Früchte werden auch Mutternelken genannt. Diese werden in Japan in geringem Umfang medizinisch genutzt. Gelegentlich werden auch getrocknete Nelkenfrüchte verkauft.

Die eigentlichen Gewürznelken, deretwegen der Baum angebaut wird, sind die fast reifen, aber gerade noch geschlossenen Blütenknospen. Dies ist der Zeitpunkt des höchsten Wirkstoffgehaltes. Die Knospen werden gepflückt oder vorsichtig abgeschlagen, abgezupft und in der Sonne oder über einem Holzfeuer getrocknet. Dabei färben sich die roten Knospen braun. In Apotheker- und Drogistenkreisen werden die getrockneten Nelkenknospen mit dem lateinischen Namen Caryophylli flos bezeichnet. Heute werden je nach Herkunft die Nelkensorten Sansibar-Nelken, Penang-Amboina-Nelken oder Madagaskar-Nelken unterschieden. Sie besitzen jedoch verschiedene Qualitäten. Die getrocknete Blütenknospe enthält je nach Qualität und Herkunft 16 – 20% Nelkenöl. Von einem ausgewachsenen Nelkenbaum lassen sich pro Jahr 5 – 10 kg Blütenstände ernten, wobei die Erträge extrem schwanken können. Hohe Erträge wechseln sich mit geringen Erträgen ab und wiederholen sich nur aller drei bis vier Jahre.
Gewürznelken werden zum Würzen der Speisen, als Heilmittel und besonders in Indonesien für Zigaretten genutzt. Das aus den frischen Knospen gepresste sowie das aus den getrockneten Nelken bzw. Blättern mittels Wasserdampf destillierte Nelkenöl dient als Duftstoff in Parfüms, Seifen oder Zahncremes. Es war auch früher ein wichtiger Ausgangsstoff für die Vanillinsynthese.

Die Gewürznelke ist eine Heilpflanze, bei der traditionell die gerade noch nicht geöffnete Knospe geerntet wird. Dieser Zustand höchster Konzentration, der sich in allen Knospenbildungen vollzieht und hier mit der Konzentration an höchstem Wirkstoffgehalt einhergeht, ließe sich vielleicht auch bei anderen Heilpflanzen nutzen.