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Die Gewürznelke – Syzygium aromaticum
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Anatomie des Nelkenduftes

Gewürznelken, also die getrockneten Blütenknospen, enthalten 16 – 20% ätherisches Öl, die Früchte (Mutternelken) mit 2 – 9% schon deutlich weniger. Doch auch das ätherische Öl der Blätter und Stängel wird zur Destillation von Nelkenöl genutzt. Dabei hat das reine Nelkenknospenöl das feinste und blumigste Aroma. Aus 50 kg getrockneter Knospen lässt sich ca. ein Liter Öl destillieren. Neben ätherischen Ölen enthalten die Gewürznelken noch 8 – 14% Gerbstoffe, weiterhin Flavonoide, Stereole und etwa 10% fettes Öl. Das ätherische Öl besteht in der Hauptsache aus dem Phenol Eugenol (bis 85%), Acetyleugenol (bis 17%) und β-Caryophyllen (4-12%). Das ätherische Öl und die Gerbstoffe sind vorrangig für die antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkungen verantwortlich.

Geballte Knospenkraft

Der Geruch der Gewürznelken und ihr Würzgeschmack bestimmen den Einsatz der Droge in der Heilkunde. Dabei werden besonders Nelken pur, alkoholische Auszüge als Tinkturen und das ätherische Nelkenöl genutzt. Eine schulmedizinisch gesicherte Wirkung wird der Gewürznelke bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, zur örtlichen Schmerzstillung bei Zahnschmerzen sowie als Antiseptikum zur Behandlung von Wurzelkanälen bescheinigt.
Aufgrund seines überdurchschnittlich hohen Gehaltes an Wirkstoffen ist die Gewürznelke eine echte pflanzliche Alternative in der Schmerztherapie und kann sowohl im Sinne der Ersten Hilfe als auch dauerhaft angewendet werden. Das im ätherischen Öl enthaltene Eugenol hemmt nachweislich das Wachstum von Bakterien und Viren. Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. In hoher Dosierung werden die Haut oder die Schleimhäute gereizt oder Unverträglichkeiten hervorgerufen. Selbst allergische Haut- und Schleimhautreaktionen können auftreten.
Zusammen mit Caryophyllen entspannt Eugenol Muskelgruppen im Bereich des Darmes und der Atemwege. So kann die Gewürznelke bei Erkrankungen der Atemwege wie Husten und Asthma sowie bei Unterleibskrämpfen und Verdauungsstörungen hilfreich sein. Nelkentinktur ist deshalb häufig ein Bestandteil traditioneller Magen- oder Stärkungsmittel, verschiedener Melissengeistrezepturen und Kräuterliköre.

Anwendungen:
Gewürznelken: Bei Zahnfleischentzündungen oder Zahnschmerzen eine Nelke in die Wangentasche stecken oder das Zahnfleisch vorsichtig damit massieren. Für frischen Atem sorgt auch das Kauen einer Nelke.
Nelkentee: ½ Teelöffel Nelken mit kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen, davon 2 – 4 Tassen täglich trinken. Dies empfiehlt sich bei Darmkrämpfen und leichten rheumatischen Beschwerden. Nelkentee eignet sich auch bei Entzündungen und Infekten der Atemwege.
Nelkenöl: Das Öl sollte nur sehr sparsam dosiert werden und nur nach vorsichtigem Verträglichkeitstest bei Schmerzen direkt auf die Haut gerieben werden. Eine Verdünnung mit einem fetten Massageöl ist empfehlenswert. Dabei werden 2 Tropfen Nelkenöl mit 3 Esslöffeln fettem Basisöl gemischt. Eine entspannende Nelkenöl-Massage lindert Brechreiz, Verkrampfungen im Verdauungsbereich, Blähungen, rheumatische Beschwerden sowie Muskel- und Gliederschmerzen. Im Mundbereich kann es auch in Wasser getropft zum Spülen und Gurgeln angewandt werden, um eine desinfizierende Wirkung zu erzielen. Da es Wehen fördert, sollte es in der Schwangerschaft nicht bzw. erst dann, wenn Wehen erwünscht sind, verwendet werden.

Bezüglich der Anregung der Uterusmuskulatur zur Wehentätigkeit empfiehlt die bekannte Hebamme Ingeborg Stadelmann neben anderen Methoden ein nelkenhaltiges Gewürzgetränk. Dieses Getränk regt die Wehen an und leitet meist auch die Geburt ein. Aus diesem Grund rät Frau Stadelmann von der Anwendung von Nelkenöl in der Duftlampe oder in Massageölen bis zur 36. Schwangerschaftswoche ab.

Aufgrund seiner entzündungshemmenden und desinfizierenden Wirkungen findet sich das Nelkenöl in verschiedenen handelsüblichen Mundwässern wieder. Als Beispiele seien hier
Repha-OS Mundspray der Firma Repha,
Salviathymol® N der Firma Madaus und
Mundwasser Konzentrat sowie Original Sedative-Essenz der Firma Bombastus
genannt.

In der Aromatherapie wird das ätherische Nelkenöl dem Planeten Sonne und dem Element Erde zugeordnet und in Mischungen als Basisnote eingesetzt. In der Duftlampe angewandt hilft seine wärmende Energie, erstarrte Seelenzustände zu lösen und ungelöste Konflikte zu bewältigen. Es stärkt die Nerven und vermittelt Versöhnlichkeit, Zufriedenheit und Harmonie.

Die Gewürznelke aus der Sicht des Paracelsus

Paracelsus (1493-1541) verwendete unzählig viele verschiedene Pflanzen, Minerale oder tierische Gifte. Auch wenn er der Meinung war, dass jedem Land seine eigene Krankheit, seine eigene Arznei und sein eigener Arzt erwachse, so benutzte er doch erstaunlich viele exotische Heilpflanzen. Die Gewürznelke stand bei ihm sozusagen in der zweiten Reihe. Wegen ihres warmen und intensiven Geruches der Sonne zugeordnet, war die Gewürznelke universell einsetzbar und harmonisierte die Rezepturen. Sie bringt durch ihre gespeicherte Sonnenkraft Wärme besonders in den unteren Menschen, feuert die Verdauung an und hält den Lebensgeist warm. Paracelsus setzte Gewürznelken seinem Aqua vitae (Lebenselixier) zu, erwähnt sie als schmerzlindernde Gebärmutterarznei und empfahl sie als Stärkungsmittel nach Abführmitteln. Er kreierte ein nelkenhaltiges „Specificum Odoriferum“, vorstellbar als alchimistische Duftkugeln, die die schlechten Ausdünstungen der Kranken verwandeln sollten und durch Wohlgeruch die Genesung vorantrieben. „Die Kraft, die dem Körper durch den Geruch gegeben wird, bewegt das Blut, reizt das Herz an und erquickt es mehr, als es beschrieben werden kann.“ (Rippe, O., Madejsky, M.: Paracelsusmedizin, AT Verlag, Baden und München, 2002, S. 44)
Paracelsus wusste auch um die antiseptische Wirkung der Nelken, denn das Nelkenöl konnte zur Bierkonservierung genutzt werden.
Das über Jahrhunderte in Europa in Künstler- und Gelehrtenkreisen als Schlaf- und Allheilmittel sehr geschätzte „Laudanum“ hat seinen Ursprung bei Paracelsus. Ein Bestandteil seines Laudanumrezeptes war erstaunlicherweise die Gewürznelke. Von Agricola, Goethe, Novalis bis hin zu Edgar Allen Poe zieht sich der Reigen der Anwender. Durch diese psychoaktive Mischung schuf Paracelsus ein Arzneimittel, das sich nach seinem Tod zu einer „Marke“ entwickelte und indirekt die Kulturgeschichte beeinflusste.