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Die Gewürznelke – Syzygium aromaticum
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In den Kochtöpfen der Welt zu Hause

Heute werden auf der ganzen Welt Gewürznelken zum Würzen von Getränken, Suppen, braunen Saucen, Fisch, Wild und Rotkraut, eingelegten Früchten und Marinaden und natürlich im Weihnachtsgebäck verwendet. Der Duft des Weihnachtsmarktes nach Glühwein und Punsch erhält durch die Nelken erst seine typische Atmosphäre. Gewürznelken verleihen den Speisen eine besondere Note und runden den Geschmack ab, wenn sie sparsam verwendet werden. „Prisengewürz“ heißt hier das Schlagwort. Sauerkraut und Schweinebraten werden bekömmlicher. Dabei können ganze Nelken mitgekocht und erst vor dem Servieren entfernt werden. Für Soßen und Fischgerichte werden eher gemahlene Nelken verwendet. Diese sollten aber möglichst frisch im Mörser zerstoßen werden, da das Aroma schnell verfliegt und gemahlenes Pulver nicht lange brauchbar ist.  Eine erfahrene Hausfrau „spickt“ eine halbe Zwiebel mit ein paar Nelken und würzt damit Fleischbrühen, Braten und Kohlgerichte. Aber auch Süßspeisen, Spaghetti und Pizzasoßen profitieren vom Nelkenaroma.
Nelken guter Qualität, d.h. mit hohem Ölgehalt, schwimmen senkrecht auf dem Wasser oder gehen unter, mindere Qualitäten schwimmen waagerecht.

Nelken sind in allen Küchen der Welt beliebt und damit auch ein fester Bestandteil der verschiedenen Würzmischungen. Vom chinesischen Fünf-Gewürze-Pulver über diverse indische Currys, vom arabischen baharat zum marokkanischen ras el hanout bis hin zum klassisch französischen quatre épices und der Worcestersauce zieht sich der Nelkenduft. Nur in ihrer Heimat findet sie selten den Weg in die Kochtöpfe. Denn dort wird sie geraucht! Die typischen Nelkenzigaretten Indonesiens bestehen zu einem Drittel aus Nelken und zu zwei Dritteln aus Tabak. Das Räuchern von Nelken hat den Vorteil, dass der Rauch Mücken und anderes Ungeziefer verjagt. Doch auch in unseren Breiten halten Zitronenscheiben mit Nelken gespickt ebenfalls Mücken und manche Wespe vom Pflaumenkuchen fern. Selbst als Zeckenschutz ist Nelkenöl verwendbar. Neben langen Pullovern und Hosen bietet eine Einreibung der Arme und Beine mit Nelkenöl, sofern man es verträgt, eine gewisse Zeckenabwehr. Jedoch ist dabei zu bedenken, dass sich die ätherischen Öle relativ schnell verflüchtigen und der Schutz nicht allzu lange anhält.
Zu Omas Zeiten wurde noch bei Schluckauf empfohlen, auf einer Gewürznelke zu kauen. Auch zur Raumbeduftung waren Nelken ein beliebter Bestandteil von Blumenpotpourris und Duftkugeln. Zum Beispiel wurden Orangen hübsch mit Nelken gespickt und in zimt- und Muskatpulver gewälzt. Nach dem Trocknen an einem warmen Ort konnte die dekorative Duftkugel mit einem Seidenband aufgehängt werden.

Nelken – das Besondere im Verborgenen

Nelkenduft ist allgegenwärtig, und doch nimmt man ihn selten bewusst wahr. Nelken entstammen dem anderen Ende der Eelt und gedeihen in tropischen Breiten. Und doch sind sie in Europa seit über 2000 Jahren im Alltag der Menschen verankert. Sie tragen die tropische Sonne und die Hitze der Vulkane in sich, sie sind voll geballter Knospenkraft und doch ist die Nelke meist nur ein Bestandteil verschiedener Heilkräutermischungen oder Tinkturen. Die Nelke kann ihre Kraft zurücknehmen und sich einfügen. Sie lindert und gleicht aus und nur bei Überdosierung zeigt sie ihr ganzes Feuer. Abgesehen vom Pfeffer wurden wegen keiner anderen Pflanze so blutige Kriege geführt. Sie wurde mit Gold aufgewogen und mit Gulden bezahlt. Sie begleitet die Menschen, sie macht das  Leben leichter und schmerzärmer. Dies geschieht jedoch meist unscheinbar im Verborgenen, als etwas Besonderes.

Literatur
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Bichel-Sandkölter, S.: Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 2001
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De Guzman, C.C., Siemonsma, J.S. (Hrsg.): Plant Resources of South-East Asia No. 13, Spices, Backhuys Publishers, Leiden, 1999, S. 211–218
Iburg, A.: Dumonts kleines Gewürzlexikon, Edition Dörfler im Nebel Verlag GmbH
Eggolsheim Kunick-Wünsche, B.: Natürliche Alternativen zu synthetischen Schmerzmitteln, in Natur & Heilen 09/2008, Verlag Natur & Heilen, München, S. 32–38
Laux, H.E. und H., Tode, A.: Gewürzpflanzen, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, 1993
Lubinic, E.: Handbuch Aromatherapie, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart, 2004
Piggott, R.J.: A school geography of Zanzibar, MacMillan & Co. Ltd., London, 1961
Rippe, O., Madejsky, M.: Paracelsusmedizin, AT Verlag, Baden und München, 2002
Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen, Gräfe und Unzer Verlag, München, 1989
Stadelmann, I.: Die Hebammensprechstunde, Eigenverlag, 2001
Van den Toorn, P.: Myrtacae = Myrtengewächse, in Naturheilpraxis 2/2007, Pflaum Verlag GmbH & Co. KG, München, S. 194–199
Vonarburg, B.: Homöotanik Band 4: Extravagante Exoten, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart, 2005

Verfasserin: Dipl.-Ing. Anke Herrmann,
Heilpraktikerin, Großvoigtsberg, 2009

Titelzeichnung: Uta Büschel
Fotos: fotolia.com; G. Hanke (fotografie pur); A. Herrmann (S.2, 5/2, 6, 7/2, 8); Archiv NHV Theophrastus

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