Die Gewürznelke – Heilpflanze des Jahres 2010

Der Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum) wurde durch eine Jury des NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt. Das gab der Verein im Juni im Rahmen des jährlichen Heilpflanzen-Fachsymposiums im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau bekannt.

Download des Artikels "Gewürznelke – Heilpflanze des Jahres 2010" (doc)
Download Urkunde (pdf) 

 

nelke

 

Exot mit heilender Wirkung

Der etwa 15 Meter hohe immergrüne Baum stammt ursprünglich aus Indonesien, wird aber heute zum Beispiel auch auf Madagaskar, Sansibar und den Antillen kultiviert. Er gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) und benötigt tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Gut erkennbar ist er an seinem typischen pyramidalen Wuchs. Die lorbeerähnlichen, ledrigen Blätter sind etwa 9-12 cm lang. Alle Teile des Baumes enthalten ätherisches Öl. Geerntet werden jedoch hauptsächlich die noch ungeöffneten Blütenknospen, da sie den höchsten Gehalt an Wirkstoffen besitzen. Diese werden für die Gewürzgewinnung getrocknet. Verschiedene Extrakte und das durch Destillation aus den Blütenknospen oder Blättern gewonnene ätherische Öl sind für die Medizin von Bedeutung.

Der deutsche Name Nelke leitet sich aufgrund der äußeren Form von Nagel (althochdeutsch: nagal) ab. Der botanische Gattungsname Syzygium ist zurückzuführen auf das griechische „syzygos“, welches „gepaart“ oder „vereinigt“ bedeutet und auf die zu einer Haube verwachsenen Blütenblätter hinweist.

Für die mehrheitliche Wahl der Heilpflanze wurden von den Jury-Mitgliedern, zu denen auch Ärzte, Heilpraktiker und Biologen gehören, verschiedenste Gründe mitgeteilt: „Ich schätze die Gewürznelke besonders als Bestandteil von belebenden Präparaten, wenn ich am Abend noch einmal konzentriert Höchstleistungen vollbringen muss“ erklärte ein Jury-Mitglied. An anderer Stelle wurde ihre in den letzten Jahren gewachsene Bedeutung als Abwehrmittel gegen Insekten hervorgehoben. Und nicht zuletzt war mehrfach ein entscheidendes Kriterium der traditionelle Einsatz der Gewürznelke in der Zahnheilkunde und als Mundpflegemittel, bei dem besonders die schmerzstillende, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung im Vordergrund steht.

Außerdem werden der exotischen Heilpflanze appetitanregende, blähungstreibende, krampflösende und verdauungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben sowie Besserung unangenehmen Mundgeruchs. Auch als unterstützendes Mittel bei rheumatischen Erkrankungen kann sie hilfreich sein.
Auf eine richtige, vorsichtige Dosierung sollte man aber auch bei dem ätherischen Gewürznelkenöl achten, denn es kann haut- und schleimhautreizend sein. Deshalb darf es nur verdünnt angewendet werden. Auch in der Schwangerschaft sollte das Nelkenöl nicht verwendet werden, da es unter Umständen Wehen auslösen kann.

Schon aus der Zeit vor Christus gibt es Hinweise für die Verwendung der Gewürznelke. So wurden im alten China die Nelken nicht nur zum Kochen verwendet, sondern auch zur Raumbeduftung. Eine Überlieferung besagt, dass sich ein Höfling dem Kaiser nur mit einer Nelke im Mund nähern durfte – schon damals gab es Leute mit schlechtem Mundgeruch.
Hildegard von Bingen (1098 – 1179) nannte das Gewürz „nelchin“ und bereitete daraus zusammen mit Muskatnuss und Zimt die „Nervenkekse“, ein wohlschmeckendes Gebäck, welches die Sinnesorgane stärken und deren Alterung verhindern soll.
Wegen ihres starken Aromas waren die Gewürznelken auch ein wichtiger Bestandteil von Pestmitteln. Deshalb trugen die Ärzte des Mittelalters bei Epidemien Ketten aus Nelken um den Hals.
Auch der bekannte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493 – 1541) betonte: „Die Gewürze und ähnliche Kräuter haben die große Tugend, große Dinge bei vielen Krankheiten zu vollbringen.“ Er empfahl die Nelken zum Beispiel als Stärkungsmittel für die Verdauung.
Und Sebastian Kneipp (1821 – 1897) gebrauchte das Nelkenöl „…gegen faule Gase und verdorbene, faule Säfte und Stoffe im Magen“.

Gegenwärtig werden in Indonesien etwa 50% der jährlichen Welternte verbraucht, jedoch nicht als Arznei oder Gewürz, sondern als Zusatz in Zigaretten – die „Kretek“ enthalten ca. 1/3 geschrotete Nelken.

Die Gewürznelke ist in fast allen Küchen der Welt zu Hause und kann zu herzhaften wie auch zu süßen Gerichten verwendet werden. Sie ist des Öfteren Bestandteil von Gewürzmischungen oder -saucen, z.B. von Curry-Pulvern oder der Worcester-Sauce und gehört zu dem chinesischen „Fünf-Gewürze-Pulver“. In Deutschland ist die Nelke vor allem in der kalten Jahreszeit wegen ihrer erwärmenden Eigenschaft eine unverzichtbare Würze für Glühwein oder dessen alkoholfreie Alternativen.

Die Qualität der Nelken kann man testen, indem man sie ins Wasser legt. Wenn sie untergehen oder mit dem Stiel nach unten im Wasser schwimmen, ist dies ein Zeichen für gute Ware – es ist noch genügend ätherisches Öl enthalten. Minderwertige Nelken schwimmen waagerecht auf dem Wasser.

Der Verein NHV Theophrastus, der insbesondere traditionelle Heilkunde fördert und verbreitet, beauftragt seit dem Jahr 2003 eine Jury mit dem Küren der „Heilpflanze des Jahres“. Er möchte mit dieser Aktivität auf Kostbarkeiten der Natur hinweisen, die durch einen sinnvollen Gebrauch – und sei es auch „nur“ als Gewürz – manches Leid lindern oder heilen können.

Maria Vogel
NHV Theophrastus

Quellen:
Aschner, Bernhard: Paracelsus, Sämtliche Werke Band 2, Verlag von G. Fischer, Jena, 1926
Bichel-Sandköller, S.: Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 2001
Franke, Wolfgang, neu bearbeitet von R. Lieberei und Ch. Reisdorff: Nutzpflanzenkunde, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2007
Kneipp, Sebastian: Meine Wasserkur, Oesch-Verlag, 2005
Madejsky, M., Rippe, O.: Die Kräuterkunde des Paracelsus, AT Verlag, 2006
Strehlow, Wighard: Hildegard-Heilkunde von A-Z, Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg, 2007
Vonarburg, Bruno: Homöotanik 4, Extravagante Exoten, Haug-Verlag, 2005
www.uni-graz.at
www.phytochemie.biologie.at