Wissenswertes, Bemerkenswertes, Informatives. Neues und Altes zur Koloquinte
 
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Wasserquelle für Tiere
Trotz ihrer Bitterkeit sind Koloquinten oft die letzte Wasserquelle für Strauße, Gazellen, Addax und Oryx (Antilopenarten), Esel, Nagetiere und Heuschrecken.
Quelle: Schatanek, Verena; Elkharassi, Hocine: Sahara - Tiere, Pflanzen, Spuren, Kosmos-Verlag, Stuttgart 2006
 
 
Bitterkeit schützt
„Das Fruchtfleisch schmeckt meist so bitter, dass ernsthafte Vergiftungen selten sind.“
Quelle: Schatanek, Verena; Elkharassi, Hocine: Sahara - Tiere, Pflanzen, Spuren, Kosmos-Verlag, Stuttgart 2006
 
 
Textilschutz
„Um Wolle und Zeltstoffe gegen Insektenbefall zu schützen, werden sie mit einer Abkochung aus den Samen und dem getrockneten Fruchtfleisch gewaschen.“
Quelle: Schatanek, Verena; Elkharassi, Hocine: Sahara - Tiere, Pflanzen, Spuren, Kosmos-Verlag, Stuttgart 2006
 
 
Qualität
Ein Test mit Koloquinten aus Indien, Südspanien, Marokko, Burkina Faso und Ägypten ergab, dass die marokkanischen Früchte über den höchsten Gehalt an Cucurbitacinen verfügen. Ob dies genetische, geografische oder klimatische Gründe hat, konnte noch nicht herausgefunden werden.
Das trockene Klima einer Produktionsstätte in Errachidia (Marokko) – nur wenige Kilometer vor der Sahara – ist für die Trocknung der Koloquinten so optimal wie sonst kaum woanders! Hier können die Früchte frei von Aflatoxinen (Pilzgifte) getrocknet werden.
Quelle: Bericht von Bioprospektor Thomas Friedrich, Marokko, 2011
 
 
„Zauberhafte“ Koloquinte?
In Marokko spielte die Koloquinte eine besondere Rolle im Liebeszauber: „Trägt ein junger Mann die Frucht in seiner Tasche, oder ein Stück der Frucht in einem Amulett bei sich, gelingt es ihm, ein Mädchen für sich zu interessieren. Tut das gleiche eine verheiratet Frau, will sie sich von ihrem Mann trennen und einen anderen Mann für sich gewinnen. Nachdrücklich wurde betont, dass junge unverheiratete Mädchen ein solches Amulett nicht benutzen.“
Quelle: Venzlaff, Helga: Der marokkanische Drogenhändler und seine Ware, Ein Beitrag zu Terminologie und volkstümlichem Gebrauch traditioneller arabischer Materia medica, 1. Auflage, Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden 1977
 
 
Lebensmittelschutz
In Nordmarokko sollen Koloquinten in die einheimischen Getreidesilos gelegt werden, um die Vorräte gegen den Kornwurm zu schützen.
Quelle: Venzlaff, Helga: Der marokkanische Drogenhändler und seine Ware, Ein Beitrag zu Terminologie und volkstümlichem Gebrauch traditioneller arabischer Materia medica, 1. Auflage, Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden 1977
 
 
Perkutane Wirkung
In Saudi-Arabien ist es bekannt, dass sogar das Barfußlaufen auf den zerdrückten Koloquintenfrüchten ausreicht, um ihre abführende Wirkung einsetzen zu lassen – wahrscheinlich weil die Wirkstoffe leicht perkutan (über die Haut) aufgenommen werden.
Quelle: Annals of Tropical Medicine and Parasitology, Vol. 89, No.6, 695-696 (1995)
 
 
Koloquintenwasser und -tinktur
Koloquintenwasser wurde zur Herstellung von Kleister verwendet, „um Insekten von den mit K(leister) gearbeiteten Sachen abzuhalten“ und um Beschädigung von ausgestopften Tieren durch Insekten vorzubeugen, benutzte man Koloquintentinktur.
Quelle:  Mayers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892
 
 
Schutz der Wasserschläuche
Mit einer Abkochung der Koloquinte bestrichen die Berber ihre Wasserschläuche, um die Dromedare am Durchbeißen derselben zu hindern.
Quelle:  Mayers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892 
 
 
Vorkommen in Südspanien
In einsamen Gegenden und Trockenflussbetten des gesamten Küstengebietes von Almeria (Provinz in der Region Andalusien in Südspanien) kam die Koloquinte früher noch sehr häufig vor. Heute ist sie in Gebieten um Nijar, Carboneras und Huércal-Overa nur noch selten anzutreffen.
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
„Tuera”
Im Spanischen ist für die Koloquinte u.a. der Begriff „tuera“ gebräuchlich. Dieser wird für mehrere Giftpflanzen verwendet (z.B. auch für Aconitum napellus oder Digitalis purpurea). 
„Tuera“ ist in der spanischen Alltagssprache ein Synonym für „bitter“.
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
Pflanzendünger
In der Umgebung von Nijar und Rodalquilar (in der Provinz Almeria in Andalusien) wurde die Koloquinte als Düngemittel beim Pflanzen von Bäumen verwendet, indem die Früchte in das Pflanzloch gegeben wurden. 
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
Traditionelle Anwendungen in Spanien
Die Koloquintenfrucht wurde von Diabetikern verwendet, da man glaubte, dass sie ihrer Bitterkeit wegen einen Kontrast zum Blutzucker bildet und diesen gesunden lässt.
Aus Übermittlungen ist auch bekannt, dass die Samen gegessen wurden, um Magengeschwülste zu heilen.
Zur Heilung von Skorpionbissen wurde das Fruchtfleisch auf die Bisswunde aufgetragen.
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
Wandersammler
In den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es Tagelöhner, die in das Gebiet um Nijar (Provinz Almeria) kamen, um Koloquinten zu ernten. Sie bauten Hütten für die Lagerung und verkauften sie später an Apotheken und pharmazeutische Labors.
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
Tierfutter
Die Koloquinte wurde auch als Futtermittel verwendet:
Die Samen der Frucht werden sowohl von Tauben als auch Hühnern gefressen.
Clemente y Rubio (ein bekannter spanischer Botaniker des 18. Jahrhunderts) beschreibt die Verwendung der Koloquinte als Futtermittel auf Cabo de Gata (Halbinsel im Südosten Spaniens), wo sie von Eseln und Ziegen gefressen wurde.
Quelle: Francisco Torres Montes: Nombres y usos tradicionales de las plantas silvestres en Almería, Diputación de Almería, Instituto de Estudios Almerienses 2004
 
 
Säuglingesentwöhnung
Des bitteren Geschmackes wegen soll der Saft zur Entwöhnung von Säuglingen angewendet worden sein, sowohl beim Stillen als auch beim Daumenlutschen und beim Schnuller.
Informationen von Thomas Bay, Spanien, 2012
 
 
Schutz von Obstbäumen
In der spanischen Landwirtschaft wurde der Saft auf die Stämme und Äste der Obstgehölze ausgebracht um ein Anfressen derselben durch Ziegen und Schafe zu verhindern.
Informationen von Thomas Bay, Spanien, 2012
 
 
Vorkommen in Indien
Die Koloquinte kommt wildwachsend auf sandigen Böden Nord-West-Indiens vor, im Panjab und Sind, Zentral- und Südindien und an der Koromandelküste (südöstliche Meeresküste Indiens).
Quelle: Dr. K. M. Nadkarni’s Indian Materia Medica, Band 1, Popular Prakashan, Bombay 1954
 
 
Anwendung in indischen Heilsystemen
Die Koloquinte findet auch im Ayurveda, Siddha (traditionelle ganzheitliche Heilsysteme in Indien) und Unani (Kombination verschiedener traditioneller Medizinsysteme) Verwendung.
Quelle: Dr. K. M. Nadkarni’s Indian Materia Medica, Band 1, Popular Prakashan, Bombay 1954
 
 
Traditionelle Verwendung in Indien
Das Öl aus den Samen wird bei Schlangenbissen eingesetzt, bei Skorpionstichen, Darmbeschwerden (Dysenterie, Diarrhoe), Epilepsie und auch für das Wachstum und die Schwärzung des Haares.
Eine Pille aus Koloquintenwurzel zu gleichen Teilen mit Langpfeffer vermischt, wird bei Rheuma empfohlen.
Quelle: Dr. K. M. Nadkarni’s Indian Materia Medica, Band 1, Popular Prakashan, Bombay 1954
 
 
Name auf Hindi
Citrullus colocynthis heißt auf Hindi: Mahendravaruni.
Quelle: Dr. P. N. Varma, Dr. Indu Vaid: Encyclopaedia of Homoeopathic Pharmacopoeia & Drug Index, 
B. Jain Publishers, New Delhi 2007
 
 
Schutz vor Bodenerosion
In der Nähe von Surat und Karachi wurde die Koloquinte zusammen mit Ipomoea pescaprae (Strandwinde) experimentell angebaut, um Sandverwehungen zu verhindern.
Quelle: R.N. Chopra, S.L. Nayar, I.C. Chopra: Glossary of Indian Medicinal Plants, Teil 1, Publications & Information Directorate (1956), New Delhi
 
 
Farbzusatz
Koloquinten-Abkochung als Zusatz zur Wandfarbe war zur Vertreibung von Wanzen und anderem Ungeziefer bekannt.
Quelle: www.vidwest.net

Import aus dem Orient
Im 18. Jahrhundert kamen die Früchte „in Kisten gepackt, sonderlich von Alexandrien in Ägypten, imgleichen von Aleppo, dem wüsten Arabien, und anderen Orten im Orient, über Massilien und andere Seehäfen nach Europa“.
Quelle: D. Johann Geoerg Krünitz: Oekonomische Enzyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus und Landwirtschaft (1773-1858), www.kruenitz1.uni-trier.de

Trochisci Alhandal
Trochisci Alhandal war ein geschätztes Abführmittel, für welches Koloquintenmark unter Zusatz von Tragantschleim oder Gummi arabicum zu Kügelchen oder Täfelchen verarbeitet wurde.
Quelle: Arzneiverordnungslehre von Dr. Philipp Phoebus, 2. Theil, Spezielle Arzneiverordnungslehre, bei August Hirschwald, Berlin 1836

Schutz vor Insekten
Die Bitterstoffe Cucurbitacin B und D, welche außer in der Koloquinte auch in anderen Gurken- und Kürbisgewächsen vorkommen können, schützen die Pflanzen vor Insektenfraß. Gleichzeitig wirken sie hemmend auf die Fortpflanzung von Insekten.
Quelle: Prof. Dr. Horst Schmandtke: Cucurbitacine mit Antikrebswirkung in Gurken- und Kürbisgewächsen, in Ernährung 2008, 2:222–226, DOI 10.1007/s12082-008-0179-7, Springer Gesundheits- und Pharmazieverlag 2008


Cucurbitacine - nicht nur in der Koloquinte
Die Cucurbitacine kommen in den Früchten und deren Samen von Gurke, Zucchini, Kürbis und Melone vor, teilweise auch als Glukosid.
„Angaben über die Gehalte der unterschiedlichen Cucurbitacine in Gemüse sind rar. In Zucchini und einem bitteren gelben Kürbis wurden 60 und 310 mg Cucurbitacin-E-glucosid pro 100 g Feuchtsubstanz gemessen.“
Quelle: Prof. Dr. Horst Schmandtke: Cucurbitacine mit Antikrebswirkung in Gurken- und Kürbisgewächsen, in Ernährung 2008, 2:222–226, DOI 10.1007/s12082-008-0179-7, Springer Gesundheits- und Pharmazieverlag 2008


Cucurbitacine in Kürbissen
Die Cucurbitacine – Inhaltsstoffe, welche nicht nur in der Koloquinte, sondern auch in anderen Cucurbitaceaen vorkommen – sind mittlerweile aus kultivierten Kürbisgewächsen herausgezüchtet. Manchmal sind sie in Zierkürbissen aber immer noch enthalten. Da sich letztere aber mit Speisekürbissen kreuzen, können auch Speisekürbisse Cucurbitacine bilden.
Quelle: http://www.experto.de


Wirkstoffe der Koloquinte in Gurken
Wenn ein bitterer Geschmack bei Gurken auftritt, meist am Stielende, so sind hierfür Cucurbitacine, die auch die Hauptwirkstoffe der Koloquinte sind, verantwortlich. „Heute werden zwar hauptsächlich cucurbitacinfreie Sorten produziert, aber auch diese können unter ungünstigen Wachstumsbedingungen in seltenen Fällen Bitterstoffe bilden.“
Quelle: Lieberei, R. et al.: Nutzpflanzenkunde, 7. Aufl., Thieme, Stuttgart 2008


Sprachgebrauch im Orient
Der typische bittere Geschmack der Koloquinte wird vergleichend in vielen Sprichwörtern oder blumigen Beschreibungen des Morgenlandes gebraucht:

„Die Koloquinte schmeckt dem Glücklichen süßer als die Feige dem Unglücklichen.“
„Besser Koloquinten aus der Hand des Freundlichen, als Zucker vom Närrischen.“
„Koloquinten aus der Hand eines Sanftmüthigen sind annehmbarer, als Leckerbissen von einem finstern Trotzkopfe. “
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon Band 5., Leipzig 1880
 
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