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Lavendel – Lavandula angustifolia
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Die Lavendel kann mit seiner beruhigenden und entspannenden Wirkung in Form von ätherischem Öl, als Badezusatz, im Kräuterkissen, als Tinktur oder Tee, aber auch als aromatisches Würzkraut nach den alltäglichen Belastungen zum wohltuenden Genuss werden.



Eine große Seelenpflanze
Irrtümer werden beseitigt
Im Schatten  der Klöster

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"So stößt man wohl mitunter auf ein altes Flakon, das sich erinnert und dem nun, lebendig wiederkehrend,  eine Seele entspringt. Tausend Gedanken schliefen, verpuppt und eingesargt,  in den schweren Finsternissen leis erschaudernd;  nun recken sie befreit den Flügel  und schwingen sich empor, blau überhaucht,  mit rosiger Lasur und golddurchwirkt."  Aus Charles Baudelaire "Das Flakon"

Die Mittagssonne scheint heiß auf die scheinbar endlosen, violett blühenden Reihen. Es ist still, denn kein Vogel singt in der vor Hitze flirrenden Luft, die erfüllt ist vom Geruch nach trockener Erde und dem lieblichen, aber intensiven Duft der Lavendelstauden. Südfrankreich, Provence,  Lavendelfelder und die Leichtigkeit des Seins – das sind die Assoziationen, die sofort bei diesen Begriffen aufsteigen. Die Freude an den einfachen Dingen im Leben, Entspanntheit, Zufriedenheit, Zeit, ein Leben ohne Druck und übermäßige Anspannung – kurz: Ein Leben wie in den Ferien. Auch wenn die Lavendelpflanze nicht zaubern kann, so hat sie doch die Kraft, unseren stressigen, oftmals dunklen Alltag zu durchlichten und zu durchwärmen, um so Inseln der Ruhe und Kraft entstehen zu lassen.

Eine große Seelenpflanze

Die Bezeichnung „Lavandula“ scheint vom lateinischen „lavare“ = „waschen“ abgeleitet zu sein. Jedoch enthält Lavendel keine Saponine, also „waschaktive“ Substanzen, sodass die Reinigung nicht stofflich zu verstehen ist. Es ist der Duft, welcher Reinheit und Klarheit vermittelt. Lavendel ist eine der großen Seelenpflanzen, die von den Menschen unseres Kulturkreises über die Zeiten hinweg intuitiv verstanden und angewandt wurden. Auch heute ist der Lavendel nicht nur in der Duschbadabteilung der Drogerien präsent. Seine aktuelle Beliebtheit zeigt sich in einer Fülle von Duftkompositionen zu den verschiedensten Zwecken, aber auch Kräuterkissen, Kochbücher, Kalender, Servietten, selbst Schokolade mit Lavendelgeschmack transportieren die „Leichtigkeit des Seins“ in unsere Seelen. Die eigentliche Bedeutung dieser Pflanze liegt aber in ihrem Duft, der gegensätzliche Wirkungen wie Entspannung und Anregung in sich vereint bzw. ausgleicht und damit zu echtem Wohlbefinden und innerer Harmonie führt.

Irrtümer werden beseitigt

Heute findet man in Südfrankreich, Italien und auch Spanien nur noch drei wild wachsende Lavendelarten: den Speiklavendel (Lavandula latifolia), den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) und den Schopflavendel (Lavandula stoechas). Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) trägt im Volksmund die Bezeichnung Kleiner Speik, wobei in der Alpenregion stark duftende Pflanzen generell als Speik bezeichnet werden. Das Wort „Speik“ leitet sich vom lateinischen „spica“ ab und heißt „Ähre“. Narde oder Zöpfliblüten sind ebenfalls je nach Region gängige Volksnamen. Häufig wird das seit biblischen Zeiten legendäre Nardenöl, welches im gesamten Altertum ein Zeichen für Luxus und Reichtum war, mit dem Lavendel in Verbindung gebracht. Um diesem Missverständnis vorzubeugen, sei ausgeführt, dass die in der Bibel mehrfach erwähnte Narde laut Calwer Bibellexikon zwar ein hochgeschätztes, duftendes Öl war, welches aber aus den unteren Stängelabschnitten eines indischen Baldriangewächses gewonnen wurde. Der Volksname Narde für Lavendel hat also nicht direkt mit dem berühmten Öl zu tun.Die heutigen Hauptanbaugebiete des Echten Lavendels sind neben denen der Provence im italienischen Piemont, in Spanien, Bulgarien, auf der Krim und seit kurzem sogar in China zu finden. In Gärten und kleineren Anbaugebieten wächst er fast überall in Mitteleuropa, den USA, Australien und Japan. Doch auch Marokko ist ein Lavendel-Land, wo gerade in den Gebirgen viele verschiedene Arten gedeihen und gesammelt werden.Nicht unerwähnt bleiben sollte der weit verbreitete „Lavandin“ (Lavandula x intermedia). Der Arbeit fleißiger Bienen ist diese robuste Kreuzung aus Echtem und Speiklavendel zu verdanken. Ihr ätherisches Öl ist jedoch weniger fein und duftet leicht nach Kampfer.

Im Schatten  der Klöster

Ausgehend von der Provence, der Ursprungsregion verschiedener Lavendelarten, breitete sich die Pflanze nach Süden und in der gesamten Mittelmeerregion aus. Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) gehört zur Familie der Lippenblütler, der viele Heil- und Gewürzkräuter wie Salbei, Thymian oder Rosmarin angehören. Von Schafen gemieden, wurde der wilde Lavendelstrauch gerade von den Schäfern als Allheilmittel geschätzt. Die eigentliche Entdeckung der Heilkräfte des Echten Lavendels vollzog sich jedoch auf den klösterlichen Besitzungen des Mittelalters. Hildegard von Bingen, die Mutter der Klostermedizin, rühmt den Echten Lavendel für sein starkes Aroma und empfiehlt ihn äußerlich gegen Läuse. Noch heute vertreiben Lavendelsäckchen die Motten aus den Kleiderschränken. Im Mittelalter galt der Lavendelstrauch als „Muttergottespflanze“, somit als Symbol für die Unberührtheit der Jungfrau Maria und der violett/blaue Farbton der Blüten wurde auf eine seelische Weiterentwicklung bis hin zu echter Weisheit gedeutet. Auch als Bestandteil der „Abwehrkräuter“ zum Schutz der Menschen und Häuser vor negativen Einflüssen und Unfrieden erfüllten die getrockneten Blütenstängel ihren Zweck, wurden doch vielen Aromapflanzen aufgrund ihres Wohlgeruches teufelswidrige Kräfte zugesprochen. Nebulöse Geister mussten vor diesem Duft der Klarheit und Reinheit weichen.