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Koloquinte - Citrullus colocynthis
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„Endlos scheint das Wüstenmeer.
So weit, so heiß, so leer.
Sand im Haar und in der Kehle, ausgetrocknet Leib und Seele,
und die Beine müd und schwer…“?1
 
 
 
 

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Wüste

Beduinen ziehen durch die steinige, staubige Landschaft. Die Sonne versengt alles, was sich ihren Strahlen aussetzt. Tiere haben sich im Schatten der Felsen verkrochen. Hitze, Dürre und Windstille weit und breit – und doch wächst und gedeiht in dieser lebensfeindlichen Welt eine Wüstenpflanze mit erstaunlichen Eigenschaften: die Koloquinte. Sie breitet ihre Blätter am Boden aus und öffnet sie der Sonne. Ihre apfelgroßen Früchte liegen wie Bälle im Sand. Aber ihr saftiges Fruchtfleisch schmeckt sehr bitter und herb. Es bietet nur Dromedaren, Eseln, Ziegen und Nagetieren eine Nahrungsergänzung bzw. eine letzte Möglichkeit, kleine Mengen an Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dieser bittere Wüstenapfel ist neben der Dattelpalme, dem durstlöschenden Karkaden-Tee, einer Hibiskusart, dem syrischen Oregano und dem Wermut ein traditioneller Bestandteil der Apotheke der Beduinen.

Name

Im Volksmund heißt die Koloquinte Wilder Kürbis, Apfelquitte, Wilde oder Bittergurke oder Bitterapfel. Im Arabischen wird die Pflanze selbst oder mit Gummiarabikum vermischtes Fruchtpulver als Alhandal bezeichnet. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Citrullus colocynthis. Sie ist der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceen) zugeordnet. Für die Gattungsbezeichnung „Citrullus“ gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Einerseits kann der Name aufgrund der orangenähnlichen Früchte auf „Citrus“ zurückgehen oder das italienische Wort „citriolo“ für Kürbis wurde berücksichtigt. „Colocynthis“ könnte sich zusammensetzen aus „colon“ = Eingeweide und „kineein“ = bewegen, doch letztlich bleibt der Ursprung des Namens im Dunkel der Zeit.

Pflanzenbeschreibung

Die dicke, fleischige, in Wüstengebieten auch über einen Meter lange Pfahlwurzel der Koloquinte hat einen hohen Wassergehalt. Ein kurzer Stamm geht in niedergestreckte, ein bis zwei Meter lange, kriechende Triebe über. Diese Stängel sind kantig gefurcht und mit leicht brechenden Haaren besetzt. Der Trieb windet sich hin und her und verzweigt sich. Aus den Blattachseln wachsen schlanke Ranken, die unten behaart, oben aber kahl sind und sich ebenfalls schraubenförmig winden. Sie tragen die graugrünen, an der Unterseite mehr behaarten, hand- oder herzförmigen Blätter. Diese besitzen fünf gezähnte Endlappen. Die Pflanze ist einhäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich auf einer Pflanze. Die fünfstrahligen, behaarten, gelben Blüten stehen einzeln in den Blattwinkeln. Sie weisen einen glockigen Kelch mit radförmiger Krone auf. Die Früchte sind kugelig, im ausgereiften Zustand gelb und teilweise mit einer grünen Maserung versehen. Die glatte harte Schale umschließt ein saftiges helles Fruchtfleisch, das von der Konsistenz her an Wassermelonen (Citrullus lanatus) erinnert, jedoch ist der Geschmack unangenehm bitter. An den Stellen der zerklüfteten Scheidewände ist die Frucht leicht in drei Teile spaltbar. Die reifen, braunen Samen wachsen scheinbar in sechs Fächern an beiden Seiten der Scheidewände. Werden die Früchte nicht gesammelt, trocknen sie ein und der Wind weht sie in die Wüste, sodass sich die Samen an einem neuen Ort wieder ansiedeln können. Die Samen scheinen besonders beständig zu sein. So können sie jahrzehntelang im Boden verbleiben, und wenn die äußeren Bedingungen zum Wachsen wieder günstig sind, keimen sie. Im zeitigen Frühjahr treiben sie aus und im Frühsommer erscheinen dann die ersten Blüten. Diese bilden die Früchte, welche zuerst grün sind und mit zunehmender Reife die gelbe Farbe annehmen. Ab Oktober erfolgt dann das Sammeln. Aufgrund großer Trockenheit kann es zu geringer oder verspäteter Blüte kommen oder die Früchte reifen nur ungenügend und zu zeitig aus. Sie mögen trockenen, sonnenbeschienenen Sand. Auch salzhaltige Böden sind kein Hindernis. Schatten vertragen diese Wüstenpflanzen nicht.