„Das kalte Wasser hat seine Eigenschaften, und das warme auch“
Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, 1493-1541

Download Artikel

 
Wasser trainiert den Körper 
Die wohltuende Wirkung von Wasser kennt jeder Mensch und nutzt sie nach Belieben. 
Die Eisbader werden von vielen bewundert, von manchen für verrückt erklärt, anerkennen müssen jedoch alle die widerstandsfördernde Wirkung gegen Erkältungskrankheiten durch solches Tun. Die Wassersportler aller Disziplinen stählen ihren Körper unter Ausnutzung der Tatsache, dass das Wasser der Bewegung einen 50fach höheren Widerstand entgegensetzt als eine Bewegung an Land. Andererseits verringert Wasser das Körpergewicht erheblich und begünstigt damit eine Heilgymnastik, wie sie vor allem bei Arthrosekranken angewendet wird. Erinnert sei auch an den „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp (1821-1897) und die nach ihm benannten allbekannten Kneipp-Kuren.
 
 
Heilende Bestandteile im Wasser 
Wie gern nutzen wir warmes Wasser als Dusche oder Wannenbad zum Erwärmen und/oder zur Reinigung. Duftende, reinigende und pflegende Zusätze bietet der Handel dafür in kaum überschaubarer Fülle. Wasser kann in einigen Fällen aber noch viel mehr leisten, wenn es stark mineralhaltig ist. Diese „Heilwässer“ entstehen aber nur unter bestimmten geologischen Voraussetzungen, wenn vor allem warmes Wasser auf dem Weg zur Oberfläche viele Salze und Mineralien zu lösen vermag.
Die heilkräftige Wirkung bestimmter Wässer ist eine uralte Menschheitserfahrung. Besonders die Römer nutzten sie intensiv und technisch geschickt. Worauf jedoch die Heilwirkung jeweils beruht, das blieb so lange unsicher oder gar spekulativ, bis die chemische Analytik hinreichend entwickelt war.
Paracelsus konnte bereits auf viele Grundkenntnisse der Alchemie zurückgreifen und sie auch bei der Untersuchung medizinisch genutzter Quellen einsetzen. Er analysierte alle Heilbäder im badischen Raum sowie einige in der Schweiz und in Österreich. Er beließ es nicht bei der Feststellung der gelösten Stoffe und ihrer Konzentration (so warnte er z.B. vor zu sauren „ätzenden“ Bädern), sondern stellte unter Einbeziehung geologischer und astrologischer Betrachtungen zusammen, gegen welche Krankheiten die Quelle eingesetzt werden kann.
 
 
Schlag nach bei Paracelsus 
Der Hohenheimer legte seine Erkenntnisse in einer Schrift nieder, die er nannte: „Über die natürlichen Warmbäder; fünf Traktate über ihre arzneilichen Tugenden und Kräfte“ und verfasste ein „besonderes Büchlein über das Bad Pfeffers“. (Nach heutiger Schreibweise: Bad Pfäfers, liegt in der Schweiz nahe Bad Ragaz am Eingang zur Taminaschlucht).
 
Aus diesen Schriften wird die hohe ärztliche Kunst des Paracelsus erkennbar, wie folgende Zitate belegen mögen:
 
„Es ist auch das Höchste an einem Arzt, der die Kranken in die Bäder schickt, gleich anfänglich zu wissen, ob der Kranke auf keinerlei Weise durch eine andere Arznei geheilt werden könne.... Wenn ein Arzt an einem Kranken verzweifelt und eine zukünftige Verschlechterung fürchtet, rät er ihm als Entschuldigung ein Bad.... Man muß gut aufpassen, damit man alle Eigenschaften kenne und das Bad so zusammensetze, daß es zur Heilung einer Krankheit diene und nicht als Entschuldigung der Ärzte.“
 
„Jedes Ding, das in der Natur ist, soll durch seine Früchte erkannt werden. Da nun durch die Früchte die Art der Bäder erkannt werden soll, geschieht dies durch die Wirkung, die sie bei den Krankheiten vollbringen. Manche Bäder heilen Paralysis (= vollständige motorische Lähmung), manche heilen Gelbsucht, manche Löcher und offene Schäden. Manche leisten das Gegenteil, sie machen krank und verderben. Aus dieser Wirkung folgt nun, daß es so viele und verschiedene Tugenden der Wässer gibt, wie viele und verschiedene Minerale es gibt. Daher soll ein Arzt die Kraft und Eigenschaft aller Minerale erkennen.“
 
 
Es gibt kein Universalrezept 
Paracelsus gibt auch Anweisung, wie die Bäder bei den einzelnen Krankheiten durch Zusätze in ihrer Wirkung verstärkt werden können, wie lange und oft der Kranke darin baden soll. Wieder nur ein Beispiel: „Bei der Menstruation handle so: Lasse in lauterem Wasser (des Bades Pfäfers) baden und lasse diese Mischung trinken: Rec. Liquoris Melissae; Pulegii, Artemisiae ana viermal so viel Badewasser darunter. Lasse so baden und das gemeldete Wasser bis zum Ende der Badereise trinken.“
 
„Was weiter der Stärkung dient, stammt vom reinen Bad und die richtige Ordnung soll eingehalten werden. In der Weise soll jedes Bad, das für Krankheiten gut ist, wie oben steht, verbessert und zusammengesetzt werden. Es ist weiter nicht notwendig, jedes gesondert zu beschreiben, sondern man muß die anderen Krankheiten beachten und die besondere Art der Bäder, die andere Zusätze brauchen.“
 
Betrachten wir den Gesamtkomplex der Aussagen des Hohenheimers zum Thema Heilwässer, der hier nur angedeutet werden konnte, so ist die sich mehr und mehr durchsetzende Erkenntnis gerechtfertigt: Der eigentliche Begründer der wissenschaftlichen Bäderheilkunde (Balneologie) heißt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus.
 
NHV Theophrastus, 2003