Bekannt ist der Echte Lavendel als Duft- und Zierpflanze. Dennoch hat ihn die Expertenjury des NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2008 gewählt. Ausschlaggebend für die Wahl war vor allem die Bedeutung des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) als Nervenpflanze. Die Gesunderhaltung von Nerven und Seele sei in Zeiten der Reizüberflutung besonders wichtig, erläuterte Christina Schäfer, Heilpraktikerin und Vorsitzende der Jury.

Lavendel - Balsam für die Seele

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Von der Gattung Lavandula, zu der rund 26 Arten zählen, werden der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der Speiklavendel (Lavandula latifolia) und der Schopflavendel (Lavandula stoechas) heilkundlich verwendet.
Lavandula angustifolia wird je nach Höhenlage des Anbaugebietes in zwei Varietäten (Lavendel fein und Lavendel extra) unterschieden. Das bekannteste Anbaugebiet ist die französische Hochprovence. Er wird aber auch in Spanien, Südosteuropa, Russland und Großbritannien kultiviert.
Der Halbstrauch wird bis zu 60 Zentimeter groß und hat schmale, lanzettliche, graugrüne behaarte Blätter. Die violetten Blüten duften stark und stehen in Scheinquirlen. Er blüht je nach Höhenlage ab Mitte Juni.
Der beste Erntezeitpunkt für eine heilkundliche Verwendung ist erreicht, wenn reichlich die Hälfte der kleinen Blüten an den Scheinähren voll entfaltet sind. Dann ist der Gehalt an wertvollem ätherischem Öl am höchsten. Geerntet wird am besten an einem trockenen, sonnigen Tag. Doch Vorsicht! Man sollte nicht zu tief ins Blattwerk schneiden, denn das macht die Pflanze frostempfindlich. Für Heilzwecke werden die kleinen Blüten von den Stängeln gerebelt und auf Pergament, Leinen oder Baumwolle getrocknet. Die für floristische Arrangements geernteten Blüten hängt man zu Sträußen gebunden zum Trocknen an einen luftigen, schattigen Ort.
Es wird angenommen, dass sich der botanische Name Lavandula vom lateinischen „lavare“ – waschen – ableitet.

Seit alters her sind die verschiedenen Lavendelarten wegen ihres frischen, würzigen Duftes beliebt und bekannt. Den Griechen und Römern war er unerlässlich für das tägliche Bad. Hildegard von Bingen empfahl ihn als Mittel gegen Kopfläuse. Der Arzt und Chemiker Paracelsus wendete den Lavendel unter anderem als Räucherwerk an. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Lavendel als wirkungsvoller Schutz vor Pest und Cholera gepriesen. Aus dieser Zeit stammt auch der „Vier-Diebe-Essig“, eine lavendelhaltige Essenz, mit der sich die Diebe einrieben, bevor sie die Häuser der Pestopfer betraten und ausraubten. Königin Elisabeth I. von England trank Lavendeltee gegen ihren häufigen Migränekopfschmerz und während des Ersten Weltkrieges verwendete man Lavendelöl zur Wunddesinfektion.
Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die beruhigende und entspannende Wirkung von Echtem Lavendel und Lavendelöl. Außerdem wirkt Lavendel entkrampfend, wundheilend, leicht antidepressiv, schmerzlindernd, entzündungshemmend und desinfizierend.

Lavendel ist in verschiedenen Arzneizubereitungen erhältlich:
Für den innerlichen Gebrauch wird Lavendel als Tee, homöopathisches Einzel- oder Komplexmittel und als Bestandteil von Tropfen, Tinkturen oder Wein angeboten.
Die äußerlichen Anwendungen – zum Beispiel als Bad, Massageöl, Duftkissen oder Parfüm – rufen einerseits Wohlgeruch hervor, andererseits haben sie positive Wirkung auf Psyche und Organismus.

Ebenso beliebt ist der Lavendel als Küchengewürz. Er kann für herzhafte wie auch für süße Gerichte verwendet werden und verleiht so den Speisen eine exotische Würze, die wiederum an Sommer, Sonne und Urlaub erinnert.

Maria Vogel, Dipl.-Ing (Pharmazie)
NHV Theophrastus September 2007