Wenn's im Hals kratzt

Die Schleimhäute von Mund, Nase und Rachen werden ganzjährig strapaziert z.B. durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen, Wetter-Umschwung, Aufenthalt in klimatisierten Räumen, Staubbelastungen, Pollen oder auch Stress. Dies kann ihre Funktion beeinträchtigen und schwächen. Der Nasen-Rachen-Raum als Haupteingangspforte für die Atmungsorgane ist besonders exponiert und daher anfällig für Keime aus der Umgebung. 
 
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Symptome bei Halsbeschwerden
Halsbeschwerden sind keine eigentliche Krankheit, sondern Symptome, wie z. B.
Kratzen im Hals, Halsweh, Schluckbeschwerden, trockener Hals oder Heiserkeit.
 
Ursachen von Halsbeschwerden
Ursachen von Halsbeschwerden können virale Erkältungskrankheiten, Entzündungen der Mandeln, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bakterielle Erkrankungen (z.B. Scharlach) oder Entzündungen im Speiseröhrenbereich sein.
 
Behandlungsansätze
Eine Behandlung kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen: die Durchblutung der Schleimhäute steigern, die Schleimproduktion anregen oder die Stärkung des Immunsystems.
 
Prophylaktische Maßnahmen
Durch vorbeugende Schritte ist es möglich, die Abwehrfunktion der Schleimhäute zu unterstützen und damit die Infektanfälligkeit herabzusetzen. Dazu gehört eine ausgewogene Vollwerternährung, die den Menschen mit der für die Gesunderhaltung erforderlichen Menge an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt. Das sind vor allem Gemüse, Obst und Getreide der entsprechenden Saison. Je naturbelassener ein Lebensmittel ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es alle essentiellen Bestandteile enthält. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft verhindert ein Austrocknen der Schleimhäute. Durch Wechselduschen oder Teilwaschungen wird die Durchblutung der Haut angeregt und das Immunsystem stimuliert. Zu einem gesunden Raumklima gehören das Vermeiden von überheizten Räumen und ein regelmäßiges Lüften, um eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu erhalten. Die lokale Schleimhautpflege des Mundes ist wichtig, um eine gesunde Mundflora zu bewahren. Vitamin C wirkt antioxidativ und immunstimulierend und ist z.B. in Sanddornsaft oder –gelee enthalten. Zink ist in Lebensmitteln, wie z.B. Roggen- und Weizenkeimen, in Haferflocken oder Nüssen enthalten. Es wirkt immunstimulierend und kann auch in Form von Fertigpräparaten mit einer Tagesdosis von 15 mg eingenommen werden.
 
Therapiemöglichkeiten
 
1. Kräutertees
Kräutertees können als Aufguss = Infus (mit heißem Wasser übergießen und 5-15 Minuten ziehen lassen), als Kaltansatz = Mazerat (bis 8 Stunden kalt ansetzen, abseihen, kalt oder leicht erwärmt trinken) oder als Abkochung = Dekokt (in kaltem Wasser ansetzen und bis zu 30 Minuten kochen) bereitet werden. 
 
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Heilkräuter und ihre Verwendung: 
 
Salbeiblätter (Aufguss): 
entzündungshemmend, desinfizierend, schleimhautschützend – bei Halsentzündungen, Erkältungskrankheiten 
 
Malvenblüten oder -blätter (Aufguss): 
entzündungshemmend, reizlindernd – bei trockenem Reizhusten
 
Primelwurzel (Aufguss):
schleimlösend, auswurffördernd – bei Husten, Bronchitis
 
Huflattichblätter (Aufguss):
schleimhautprotektiv – bei Husten, Heiserkeit, Entzündungen (wegen hepatotoxischer Inhaltsstoffe am besten in der Apotheke (wirkstoffdefiniert) kaufen) 
 
Spitzwegerichkraut (Aufguss):
reizlindernd, virustatisch, antibakteriell – gegen Reizhusten, Entzündungen des Mund- und Rachenraumes
 
Holunderblüten (Aufguss):
schweißtreibend, abschwellend – bei fieberhaften Erkältungskrankheiten
 
Eibischwurzel (Kaltansatz):
reizmildernd, entzündungshemmend, immunstimulierend – gegen Reizhusten und Entzündungen des Mund- und Rachenraumes
 
Thymiankraut (Aufguss):
wärmend, zusammenziehend, antimikrobiell, schleimlösend, krampflösend – gegen Husten, Bronchitis
 
Zwiebel (Abkochung):
schleimlösend, desinfizierend – fördert das Abhusten von Schleim
 
Zitrone (Saft oder Tee):
Anregung der Abwehrkräfte durch Vitamin C - bei Erkältungen
 
Ingwerwurzel (Aufguss):
wärmend, entzündungshemmend – bei Erkältungskrankheiten
 
Lavendelblüten (Aufguss):
desinfizierend, entspannend, durchblutungsfördernd – bei Husten, Bronchitis
 
Rosmarin (Aufguss):
schweißtreibend, durchblutungsfördernd, kreislaufanregend – bei Erkältungskrankheiten
 
Lindenblüten (Aufguss):
schweißtreibend – bei fieberhaften Erkältungskrankheiten, Husten
 
2. Selbstgemachte Säfte
Meerrettich-Zuckersaft
vermehrt die Flüssigkeitsproduktion der Schleimhautzellen
wirkt schleimlösend und entzündungshemmend auf die Nasennebenhöhlen, Rachen und Bronchien
Anregung von Entgiftungsprozessen
 
Zwiebel-Zuckersaft oder Rettich-Sirup
antibakteriell und antimykotisch
speichelfördernd
entgiftend
 
3. Gurgeln
  • mit Pflanzenextrakten: 
  • Schleimdrogen, wie z.B. Malvenblüten, Eibischwurzel wirken hustenreizstillend und entzündungshemmend.
  • Entzündungshemmende Drogen, wie z.B. Kamillenblüten oder Salbeiblätter wirken außerdem antibakteriell.
  • Zusammenziehende (adstringierende)Tees (Blutwurz, Heidelbeerfrüchte) helfen bei Entzündungen der Mundschleimhaut.
  • Kräftigend sind Bitterstoffdrogen (Tausendgüldenkraut, Enzian). Sie regen den Speichelfluss und die Verdauungssäfte an.
  • mit Salzwasser
4 Teelöffel Meersalz, Kochsalz oder Natron in einer Tasse mit lauwarmem Wasser lösen.
  • mit ätherischen Ölen
    Von Kamillenöl, Teebaumöl, Lavendelöl, Rosmarinöl, Thymianöl einige Tropfen auf ein Glas Wasser geben und damit gurgeln.
  • mit Eigenurin
    Der Morgenurin ist in der Regel steril und durch immunstimulierende Antigene und Antikörper zum Gurgeln geeignet.
 
4. Inhalation
  • mit Kamillentee-Aufguss
  • mit Salbeitee-Aufguss
  • mit Salzwasser
  • mit ätherischen Ölen
 
5. Nasenspülungen
Nasenspülungen mit Salz, Isotonischer Kochsalzlösung oder Fertigarzneimitteln können absteigende Infekte von der Nasenschleimhaut zum Rachenraum verhindern. 
 
6. Wickel
Wickel fördern die Durchblutung der Schleimhaut, den Abtransport der Lymphflüssigkeit und wirken entspannend und immunstimulierend. Kalte Wickel sollten bevorzugt werden bei akuten Beschwerden, warme Wickel eher bei chronischen Problemen – entscheidend ist jedoch die Sympathie. Zu einem Wickel benötigt man in der Regel ein saugfähiges Leinentuch, ein trockenes Zwischentuch und ein abschließendes Flanell- oder Wolltuch. Er sollte so eng wie möglich angelegt werden, ohne einengend zu sein. Dabei muss jedoch die Wirbelsäule immer ausgespart werden! Für die Behandlung von Halsbeschweren eignen sich Öl-Wickel, einfache kalte Halswickel, Zitronenwickel, Salzwickel, Quarkwickel, Zwiebelwickel, Kartoffelwickel oder Schmalzwickel. 
 
7. Bäder 
Die Wirkung von Bädern oder Waschungen basiert auf einer Durchblutungsförderung. Damit wird auch das Immunsystem unterstützt. Möglichkeiten sind ansteigende Fußbäder, Teilbäder oder Vollbäder z.B. mit Thymianöl.
 
8. Schwitzkur
Eine Temperaturerhöhung des menschlichen Körpers durch eine Schwitzkur beschleunigt die Reaktionsgeschwindigkeit der körpereigenen Abwehr und verbessert die Durchblutung. Das ist durch das Trinken von schweißtreibenden oder wärmenden Tees möglich oder durch heiße Kräuterbäder. In beiden Fällen muss anschließend der Patient warm eingepackt ruhen, um das Schwitzen in Gang zu halten.
 
Praktische Tipps und Rezepte finden Sie auf der Beilage zum Exkurs.
 
Jutta Schu, Dipl.-Biologin und Heilpraktikerin
Oktober 2015