Rückenschmerzen - ein ganzheitliches Problem mit vielen Facetten I

Warum die »Hexe« immer wieder »schießt«, weshalb sich hinter einer Blasenschwäche ein Rückenproblem verbergen kann oder wieso Kreuzschmerzen mit einer disharmonischen zwischenmenschlichen Beziehung zu tun haben können...? Das Thema »Wirbelsäule« ist vielschichtig.

 

1. Auswirkungen von Wirbelsäulen-Blockierungen

1.1 Wirkungen auf die Wirbelsäule selbst
1.2 Auswirkungen von Wirbelsäulen-Blockierungen auf Organe
1.3 Auswirkungen auf die Psyche
 
2. Diagnostische Möglichkeiten/Untersuchungsmethoden
3. Behandlungsmethoden/Therapieansätze
 

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1.1 Wirkungen auf die Wirbelsäule selbst

Ein kurzer Exkurs in die Anatomie der Wirbelsäule (WS)
Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, besagter „Hexenschuss“ ..., diese als direkte Auswirkungen einer Wirbelsäulenblockierung zu erkennen, fällt nicht allzu schwer. Aber wie kommt es zu dieser? Unsere WS ist aus 24 beweglichenWirbeln – 7 Halswirbeln (HWS), 12 Brustwirbeln (BWS) und 5 Lendenwirbeln (LWS) – und 5 miteinander fest verwachsenen Wirbelkörpern (Kreuzbein) aufgebaut. Damit Erschütterungen, die beim Laufen, Springen, Tanzen ... entstehen, nach oben abgedämpft werden und wir uns besser bewegen können, hat die Natur zwischen den einzelnen beweglichen Wirbelkörpern eine Art „Stoßdämpfer“ eingebaut, die sog. „Zwischenwirbelscheiben“ oder Bandscheiben. Diese bestehen im Inneren aus einem gallertartigen, elastischen Kern (Nucleus pulposus), der als „Wasserkissen“ fungiert, und einem äußerst widerstandsfähigen Faserring (Anulus fibrosus), der den weichen Kern schützend umgibt. Auf diese Bandscheibe kann aufgrund der Hebelwirkung beim Vornüberbeugen das Dreifache des Körpergewichtes wirken! Schweres Heben verstärkt dieses Problem zusätzlich. Daher sollte man stets in die Hocke gehen, wenn man den Kasten Bier oder Mineralwasser anhebt.
Zum Glück zählt der Faserknorpel dieser diskusartigen Scheiben zu den robustesten des Körpers. Aber alles Materielle hat natürlich auch seine Grenzen. Überschreiten wir diese (und das soll nicht nur bei „Häuslebauern“ vorgekommen sein), kann es zum befürchteten Bandscheibenvorfall oder „Bandscheibenprolaps“ kommen. Dabei drückt es die Bandscheibe nach außen bzw. der Faserknorpel reißt ein, mit der äußerst schmerzhaften Folgeerscheinung, dass Nervengewebe (Rückenmark oder Spinalnerven) abgedrückt wird.
Jedoch auch zu wenig Bewegung ist schädlich für unsere Wirbelsäule, besonders für unsere Bandscheiben. Es kommt dann zu einer mangelhaften Versorgung des „Wasserkissens“ mit lebenswichtigen Substanzen, gemäß dem Naturgesetz, dass alles verkümmert, was nicht gefordert wird.
Aber nicht nur Fehlbelastungen haben direkte Auswirkungen auf die Wirbelsäule. Kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust der Gallertkerne bzw. verlieren diese infolge des natürlichen Alterungsprozesses ihre Wasserbindungskapazität (deshalb werden Menschen im Alter kleiner), verringert sich der Abstand zwischen den einzelnen Wirbelkörpern mit der Konsequenz, dass Teile der Wirbelkörper aufeinander reiben. Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind dann die Folge. Trinkt der Mensch zu wenig Wasser, so wird dieser Vorgang noch begünstigt bzw. beschleunigt.
 
Folgeerscheinungen eines Beckenschiefstandes
Den Abschluss der WS nach unten bildet das Kreuzbein mit dem Steiß. Dieses ist gelenkig mit dem Becken verbunden und bildet sozusagen das „Fundament“ der Wirbelsäule. Kommt es aufgrund einer ständigen Fehlhaltung, einer Fehlbelastung oder auch eines Sturzes zu einer Verwindung des Beckens, gerät unser Fundament in eine Schieflage (Beckenschiefstand). Unsere Wirbelsäule gleicht diesen Schiefstand mit Krümmungen aus. (Wie ein Maurer, der ein schiefes Fundament auszugleichen versucht, indem er einzelne Ziegelsteine seiner Mauer nach links oder rechts verschiebt).
Diese verschobenen Steine, sprich Wirbelkörper, verursachen nun mit der Zeit einen Reiz auf bestimmte Nerven, die an dieser Stelle die Wirbelsäule verlassen. Die direkte Folge davon können Nervenreizungen und -entzündungen mit entsprechender Schmerzsymptomatik sein. Diese stellen jedoch nicht die einzige Konsequenz dieser zeitlich oft langwierigen Entwicklung dar…
 

1.2 Auswirkungen von WS-Blockierungen auf Organe

wirbel

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Jeweils zwischen zwei Wirbelkörpern verlässt ein Nervenpaar die Wirbelsäule, welches aus dem Wirbelkanal stammt und mit dem Gehirn verschaltet ist. Diese Nervenpaare versorgen bestimmte Organe oder Körperareale gleich einem „Kabelbaum“, der vom zentralen Schaltraum aus die einzelnen Räume eines Hauses versorgt.
Wichtige Verbindungen der Wirbelsäulensegmente zu bestimmten Organen sind beispielsweise:

C 2 – Hörnerv, Augen
C 5/6 – Schultern, Arme, Finger
C 7 – Schilddrüse

Th 2 – Herz
Th 4 – Galle
Th 5 – Magen
Th 10 – Nieren

L1 – Dickdarm
L3 – Blase
L5 – Unterschenkel

Zur Erklärung:
C heißt cervikal und steht für Halswirbel
Th heißt thorakal und steht für Brustwirbel
L heißt lumbal und steht für
Lendenwirbel

Wirbelsäulenblockierungen in bestimmten Segmenten können also Gesundheitsstörungen in entsprechenden Organen oder Organzonen hervorrufen. Bei C 5/6-Blockierungen kommt es z.B. zu Missempfindungen u./o. Schmerzen in den Armen, meist in den frühen Morgenstunden; eine Blockierung bei Th 6 kann zu Magenbeschwerden (Krämpfe, Appetitlosigkeit...) führen, ohne dass sich bei einer Magenspieglung irgendein Anhalt für eine Magenerkrankung finden ließe; und eine Problematik bei L 3 ist eine häufige Ursache für funktionelle Blasenbeschwerden (Inkontinenz oder auch Harnverhalt).
An dieser Stelle wird ein Problem deutlich: Oft wird in der ärztlichen Praxis nach der Ursache einer Erkrankung lediglich im erkrankten Organ gesucht, mittels Ultraschall, Röntgen oder Endoskopien nichts gefunden und der Patient als ein Fall für den Psychologen eingestuft. Leider werden noch sehr selten Zusammenhänge zwischen Organ und Wirbelsäule gesehen. In der Tat besteht kaum eine chronische Erkrankung ohne ein gestörtes Wirbelsäulensegment! Warum dennoch in einigen Fällen von Wirbelsäulenblockierungen der Psychologe konsultiert werden sollte, besprechen wir im nächsten Kapitel.
 

1.3 Auswirkungen auf die Psyche

Jeder Mensch, der unter ständigen Schmerzen zu leiden hat (egal ob an der Wirbelsäule, an anderen Teilen des Bewegungsapparates oder unter chronischen Kopfschmerzen), wird wissen, welche Auswirkungen das auf seine Psyche hat. Ein Dauerschmerz zermürbt, macht manchmal aggressiv oder unduldsam. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich.
Es gibt auch Entsprechungen von seelischen Problemen zu einzelnen Wirbelsäulensegmenten, welche dann mit Schmerz oder Verspannung antworten. Die Seele macht gewissermaßen durch körperliche Erscheinungen auf sich aufmerksam.
Es gibt Autoren, die sogar jeder einzelnen WS-Blockierung ein ganz bestimmtes Verhaltensmuster zuordnen. So liest man dann beispielsweise beim Segment C2: „Ablehnung von Weisheit, Weigerung zu wissen oder zu verstehen, Unentschlossenheit.“ Als Ursache für das gestörte WS-Segment Th6 steht: „Wut auf das Leben, zurückgehaltene negative Emotionen, ständige Sorgen“ und dem Segment L3 sind „Sexueller Missbrauch, Schuldgefühle, Selbsthass“ zugeordnet. Das Kreuzbein sieht man allgemein in Verbindung mit Partnerschaft, bzw. zwischenmenschlichen Beziehungen.
Diese Entsprechungen sind keineswegs pauschal zu verwerfen, sie sind jedoch stets am speziellen Fall zu prüfen, mit Zurückhaltung anzuwenden und nicht als Gesetzmäßigkeit zu werten. Sie können allemal als Hinweise dienen.
Dass es ganz allgemein Verbindungen von Charakter und Wirbelsäule geben muss, gibt uns schon von Alters her der Volksmund zu verstehen, in Formulierungen wie z.B.: „kein Rückgrat haben“, „vor jemandem buckeln“, „sich vor jemandem krumm machen, verbiegen“, „schwer auf den Schultern lasten“ oder „Er ist ein gebrochener Mann“.
Ein aufrechter, aufrichtiger, selbstbewusster Mensch zeigt das auch mit einer aufrechten, (nicht steifen) Haltung – wieder ein Wirbelsäulenbezug! Eine bestimmte Lebenshaltung zeigt sich in einer entsprechenden Körperhaltung.
Solche Bezüge zwischen Psyche und Wirbelsäule in eine ganzheitliche Therapie einzubeziehen, kann äußerst hilfreich sein. Vor allem dann, wenn trotz umfassender Körpertherapie eine Heilung nicht vorankommt oder ein Wirbelsäulen-Problem immer wieder auftritt, ohne dass eine äußere Ursache erkennbar ist.